Der Begriff „Stoffvoreingenommenheit“ wird von Designern und Schneidern häufig erwähnt und kann bei Neulingen auf diesem Gebiet zu Verwirrung führen.
Im Mittelpunkt dieses Verständnisses steht das Konzept der Stoffschräge, eine grundlegende Eigenschaft, die einzigartige Faltenwürfe, Bewegungen und ästhetische Möglichkeiten freisetzt, die bei der ausschließlichen Arbeit mit der geraden Maserung nicht möglich sind.
Was ist Stoffschräge und -maserung?
Alle gewebten Stoffe besitzen eine natürliche, durch die Webart bedingte Kornstruktur.
Die Längsmaserung oder Kette verläuft parallel zu den Webkanten und ist die stabilste Richtung mit minimaler Dehnung.
Der Querfaden oder Schussfaden verläuft senkrecht zur Webkante und somit senkrecht zur Längsfaser. Obwohl er etwas weniger stabil als die Längsfaser ist, bietet er bei den meisten stabilen Geweben auch eine begrenzte Dehnbarkeit.
Diese beiden Maserungen bilden die Grundlage, auf der die meisten Schnittmusterteile traditionell ausgerichtet sind.
Die tatsächliche Schräge verläuft in einem exakten 45-Grad-Winkel zur Längs- und Quermaserung. Stellen Sie sich vor, Sie zeichnen eine diagonale Linie, die diese senkrechten Richtungen schneidet – diese Linie zeichnet die Schrägmaserung nach.
Diese 45-Grad-Ausrichtung ist der Winkel, in dem gewebte Stoffe ihre inhärente maximale Dehnbarkeit und Fließfähigkeit aufweisen. Dabei handelt es sich nicht um eine Dehnung, die von elastischen Fasern herrührt, sondern um eine mechanische Eigenschaft der Webstruktur selbst.

Warum die Voreingenommenheit reduzieren?
Durch das schräge Schneiden von Stoffen wird eine Reihe wünschenswerter Eigenschaften freigesetzt:
- Verbesserter Fall und Fließfähigkeit: Der Stoff verliert seine Festigkeit und erhält eine fast flüssige Qualität. Er schmiegt sich auf einzigartig schmeichelnde Weise an die Kurven des Körpers und schafft so verführerische Silhouetten.
- Kontrollierte Dehnung: Obwohl es kein Ersatz für Strickstoffe ist, ermöglicht die inhärente mechanische Dehnbarkeit des Schrägschnitts, dass gewebte Kleidungsstücke sich Kurven und Bewegungen bequemer anpassen. Dadurch eignet es sich ideal für fließende Kleider, Röcke und Oberteile, die sich mit der Trägerin bewegen.
- Reduziertes Ausfransen: Präzise schräg geschnittener Stoff neigt deutlich weniger zum Ausfransen als Stoff, der längs oder quer zum Fadenlauf geschnitten ist. Lange Fäden, die sich entlang des Fadenlaufs herausziehen, sind kein Problem mehr.
- Einzigartige Ästhetik: Das schräge Schneiden von gemusterten Stoffen (wie Streifen, Karos oder Blumenmustern) erzeugt beeindruckende visuelle Effekte. Streifen können elegante Winkel bilden, Blumenmuster erhalten eine dynamische Asymmetrie und geometrische Muster erhalten eine neue Dimension. Es ist ein leistungsstarkes Werkzeug für Designinnovationen.
- Bindungskurven: Hier kommt Schrägband ins Spiel. Schräg geschnittene lange Stoffstreifen werden flexibel genug, um sich problemlos um geschwungene Kanten zu biegen, ohne sich zu verziehen oder zu verziehen. Dadurch eignen sie sich perfekt für Halsausschnitte, Armlöcher und Säume sowohl an schräg geschnittenen als auch an geraden Kleidungsstücken.
So schneiden Sie Stoff schräg

Stoffauswahl
Nicht alle Gewebe eignen sich gleichermaßen für den Schrägschnitt. Entscheiden Sie sich für fließende, drapierte Stoffe wie Viskose-Challis, Seidenkrepp, Satin, Viskose, leichten Wollkrepp oder Cupro.
Vermeiden Sie steife Stoffe wie Segeltuch oder schweren Denim. Diese fallen nicht gut und könnten aufgrund ihrer geringen Dehnbarkeit zu eng sitzen. Machen Sie den „Hängetest“: Hängen Sie ein präzise zugeschnittenes, schräg im 45-Grad-Winkel geschnittenes Quadrat 24 Stunden lang auf. Stoffe, die für fließende Kleidungsstücke wie Unterröcke geeignet sind, dehnen sich deutlich und nehmen eine Rautenform an.
Die wahre Voreingenommenheit finden
Genauigkeit ist unerlässlich. Der schräge Fadenlauf muss genau 45 Grad zur Webkante verlaufen. Verwenden Sie ein durchsichtiges Quiltlineal oder ein spezielles 45-Grad-Dreieckslineal, das an der Webkante oder einer markierten geraden Fadenlauflinie ausgerichtet ist, um diese wichtige Richtung festzulegen. Verlängern Sie diese Linie über den Stoff.
Schnittmusterteile auslegen
Schräg geschnittene Kleidungsstücke müssen einlagig zugeschnitten werden. Doppelte Lagen können die Fadenlaufrichtung verdecken. Richten Sie den auf jedem Schnittmusterteil markierten Fadenlauf sorgfältig an Ihrer festgelegten Schräglauflinie aus.
Stabilisieren und Schneiden
Drapierte Stoffe verrutschen leicht. Verwenden Sie ausreichend Schnittgewichte, um den Stoff vollständig auf der Schneidefläche zu fixieren. Lassen Sie die Kanten niemals über den Tisch hängen, da das Gewicht die Maserung verzerrt.
Verwenden Sie einen scharfen Rollschneider, um den Stoff möglichst wenig zu beschädigen, oder eine mikrogezahnte Schere, um ein Abrutschen zu verhindern. Übertragen Sie alle Konstruktionsmarkierungen vorsichtig mit Schneiderkrepp oder entfernbaren Stiften.
Anleitung zum Herstellen von schräg geschnittenen Kleidungsstücken Schritt für Schritt

Das Nähen von Stoffen im Schrägstich stellt besondere Herausforderungen dar und erfordert spezielle Techniken:
Handhabung von Schnittstücken
Gehen Sie vorsichtig mit den Teilen um, damit sie sich vor dem Nähen nicht verformen. Lagern Sie sie flach, es sei denn, Sie hängen Teile wie Rockteile absichtlich auf, damit sie sich vor dem endgültigen Zuschneiden und Säumen etwas dehnen können.
Heftstich
Das ist Pflicht! Halsausschnitte, Armlöcher und Taillen werden direkt nach dem Zuschnitt innerhalb der Nahtzugabe mit einer Standardstichlänge fixiert. So verhindern Sie, dass sich diese kritischen Rundungen beim Nähen irreparabel ausdehnen.
Nahtkonstruktion
Schrägnähte müssen die Dehnbarkeit des Stoffes erhalten. Testen Sie verschiedene Methoden an Stoffresten:
Dehnen beim Nähen: Dehnen Sie die Nahtlinie beim Nähen mit einem normalen Geradstich leicht. Dadurch wird die Nahtzugabe größer, aber seien Sie vorsichtig – dadurch wird die Nahtzugabe kleiner. Daher ist es hilfreich, die Nahtlinie vorher zu markieren.
Schmaler Zickzackstich: Ein schmaler Zickzackstich bietet eine natürliche Dehnbarkeit, ohne dass er beim Nähen bearbeitet werden muss. Vermeiden Sie es, den Stoff bei diesem Stich zu dehnen.
Stabilisierung
Verstärken Sie stark beanspruchte Bereiche wie Taschenöffnungen, Reißverschlusspositionen oder Schulternähte mit einer leichten Strickeinlage, die auf die linke Seite der Nahtzugabe aufgetragen wird.
Drücken
Verwenden Sie niedrige Hitze, reichlich Dampf und ein Bügeltuch, um Glanz oder Anbrennen zu vermeiden. Bügeln Sie mit Auf- und Abbewegungen; schieben Sie das Bügeleisen niemals, da dies den schrägen Stoff verformen kann. Verwenden Sie für gebogene Nähte ein Schneiderkissen.
Nahtbearbeitung
Obwohl schräg genähter Stoff nur minimal ausfranst, empfiehlt sich das Versäubern von Nähten für eine lange Haltbarkeit und ein sauberes Innenleben. Französische Nähte bieten eine elegante Lösung für leichte Stoffe. Auch ein versäuberter Abschluss ist effektiv.
Den Saum ausbalancieren
Aufgrund der fließenden Beschaffenheit des Schrägbands dehnen sich die Säume nach dem Zuschneiden ungleichmäßig. Hängen Sie das Kleidungsstück nach der Fertigstellung mindestens 24 Stunden lang auf.
Stellen Sie den Träger dann barfuß und vollkommen gerade hin. Messen und markieren Sie mit einem auf dem Boden liegenden Zollstock die gewünschte Saumlänge gleichmäßig rundherum. Schneiden Sie den Saum ab und nähen Sie ihn mit einem schmalen oder flachen Saum, da breitere Säume auf schrägem Stoff bekanntermaßen schwer flach zu bekommen sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie erkennt man, ob ein Stoff schräg geschnitten ist?
Suchen Sie nach Musterelementen, wie Streifen oder Weblinien des Stoffes, die diagonal über das Kleidungsstück verlaufen, typischerweise in einem 45-Grad-Winkel an Nähten wie Vorder-/Rückenmitte oder Säumen.
Was ist die Vorspannung einer Nähmaschine?
Eigentlich ist die Nähmaschine selbst nicht haben eine Voreingenommenheit.
Hat Baumwolle eine Voreingenommenheit?
Ja. Baumwollstoff weist, wenn er gewebt ist, einen schrägen Fadenlauf auf, der diagonal in einem Winkel von 45 Grad zu seinem geraden Fadenlauf und seinem Querfaden verläuft.







